Der Ursprung der Fußreflexzonentherapie

„Wie die Füße den Leib tragen, so trägt die Liebe die Seele.“ (Katharina von Siena)

Der Ursprung der Fußreflexzonentherapie ist in der fernöstlichen Medizin zu finden. Die Behandlung von Druckpunkten auf der Fußsohle war in China und Indien schon vor mehr als 5000 Jahren bekannt. Die Traditionelle Chinesische Medizin nutzt die Reflexzonen seit jeher zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken. Wie die Fußreflexzonentherapie basieren auch Akupunktur oder Akupressur auf der Vorstellung, dass sich bestimmte Zonen der Haut mit den inneren Organen über Energieströme verbinden. Die westliche Medizin versucht hingegen, die Wirkung durch Erregung der Nervenbahnen zu erklären. Dadurch soll eine erhöhte Durchblutung in den entsprechenden Organen bewirkt werden, die sich positiv auf dessen Funktion auswirkt.

Als Pionier der westlichen Fußreflexzonenbehandlung gilt der Amerikaner William Fitzgerald (1872–1942). In Studien überprüfte er, welche Punkte mit welchen Organen korrespondierten und leitete ein System ab, das den Körper in zehn Längszonen und in drei waagerechte Zonen unterteilte, die er proportional auf die Füße übertrug. Er ging davon aus, dass jede Zone (Reflexzone) auf der Fußsohle mit einem Organ in Verbindung steht und legte mit dieser Theorie 1917 den Grundstein für die heutige Reflexzonentherapie.
Die amerikanische Masseurin Eunice D. Ingham (1889 - 1974) entwickelte vor gut siebzig Jahren die Griff- und Drucktechniken der modernen Fußreflexzonentherapie.

In Deutschland entwickelte ab 1958 die junge deutsche Heilpraktikerin, Krankenschwester und staatlich geprüfte Masseurin Hanne Marquardt diese Therapieform konsequent weiter. Seit 1967 werden ihre Erfahrungen in praktischen Kursen an Interessierte aus medizinisch-therapeutischen Berufen weitervermittelt. Nur ausgebildete und diplomierte Fußreflexzonentherapeutinnen und Masseure dürfen die Therapie durchführen.

Wie wir durch das Leben gehen, hängt von unseren Füßen ab. Sie laufen, rennen, tanzen, springen oder balancieren und tragen dabei die ganze Last unseres Körpers. Mit 26 Knochen, 32 Gelenken, 31 Muskelgruppen, 107 Sehnen und Bändern leisten sie täglich Schwerstarbeit. Doch unsere Füße sind noch viel mehr – sie sind mit den Reflexzonen ein Abbild unseres Körpers.

Wirkungsweise und Einsatz der Fußreflexzonentherapie

Die Fußreflexzonentherapie stützt sich auf die Vorstellung, dass die inneren Organe und Muskelgruppen des menschlichen Körpers an bestimmte Zonen des Fußes gekoppelt sind. Die Füße spiegeln demnach den ganzen Menschen auf einer komplexen „Karte“ von 96 Reflexzonen. Durch gezielte Druckmassagen lassen sich, so die Grundannahme der Therapie, organische und andere Beschwerden lindern.

Die Reflexzonen geben Auskunft über den Gesundheitszustand des entsprechenden Organbereiches: Schmerzt eine Reflexzone bei Druck, ist das ein Anzeichen dafür, dass mit dem korrespondierenden Organ etwas nicht in Ordnung ist. Wie auch die Akupunktur oder Akupressur setzt die Fußreflexzonentherapie auf die Stimulation bestimmter Druckpunkte. Mit gezielten Berührungen sollen Reize an die jeweiligen Organe und Körperteile gegeben werden. So fördert das Bearbeiten der Reflexzonen nicht nur die örtliche Durchblutung, sondern unterstützt gleichzeitig auch die Selbstheilungskräfte im gesamten Körper.

Wirkungen der Fußreflexzonentherapie:
  • Schmerzen lindern
  • Muskelverspannungen lösen
  • den Lymphfluss in Armen und Beinen fördern
  • zu besserem Schlaf verhelfen
  • die körperliche Verfassung stärken

Die Anwendungsgebiete der Fußreflexzonentherapie sind breit gefächert. Sie kann zum einen als Hilfsmittel zur Diagnose, zum anderen auch als eigenständige Therapie erfolgen. Meistens wird sie als Unterstützung und Ergänzung zu anderen therapeutischen Maßnahmen angewendet. Sie kann dazu beitragen, die Heilung zu beschleunigen.

Die Anwendungsgebiete umfassen:
  • Funktionsstörungen der Muskulatur, z. B. Rückenschmerzen
  • Störungen der inneren Organe, wie z. B. Verstopfung oder Atemwegsbeschwerden (Asthma)
  • Akute und chronische Beschwerden des Bewegungsapparates, wie z. B. Rückenschmerzen, Gelenkbeschwerden und Arthritis oder Fehlhaltungen im Bereich der Wirbelsäule
  • Lymphatische Abflussstörungen, wie z. B. Lymphödeme
  • Psychosomatische Beschwerden, wie z. B. Schlaflosigkeit oder Unruhezustände
  • Unterstützung bei Burnout-Symptomen, Erschöpfungszuständen oder Niedergeschlagenheit
  • Migräne und andere Kopfschmerzen
  • Störungen des Immunsystems, wie z. B. Allergien
  • Hormonstörungen, Beschwerden in den Wechseljahren oder Menstruationsbeschwerden
  • Stress

Wie sieht eine Fußreflexzonentherapie aus?

Fußreflexzonen-Therapie

Die Fußreflexzonentherapie ist eine manuelle Therapieform, bei der mit Händen und Fingern bestimmte Griff- und Massagetechniken an den Reflexzonen der Fußsohle angewendet werden.

Am Anfang jeder Fußreflexzonentherapie steht ein ausführliches Gespräch über aktuelle Beschwerden und frühere Erkrankungen. Auch Medikamente, die eingenommen werden, sind wichtige Informationen für den Therapeuten. In der ersten Sitzung untersucht die Therapeutin die Füße des Patienten, indem sie diese sanft abtastet. Dabei erfasst sie Hauttemperatur und Schweißbildung und stellt fest, ob es Abweichungen von der normalen Fußform, Schwellungen oder Druckstellen gibt. Schließlich werden die Reflexzonen auf Auffälligkeiten, wie zum Beispiel Schmerz, überprüft.

Bei der Fußreflexzonentherapie werden Grifffolgen und Druckmassagen je nach Diagnose und Behandlungsart langsam und weich oder schnell und kräftig ausgeführt. Doch stehen Druck und Kraft nicht im Vordergrund. Viel mehr kommt es auf rhythmische Impulse an – Druck und nachlassender Druck wechseln sich also ab. Es wird immer mit beiden Händen gearbeitet: Die aktive Hand führt meist mit dem Druck der Daumenkuppe den manuellen Druck aus, während die andere Hand den Fuß stützt. Das gibt Sicherheit. Die Patientin liegt während der Behandlung auf dem Rücken. Während der Massage informiert sie den Therapeuten über Empfindungen oder Veränderungen, die sie an ihrem Körper bemerkt.

Die erste Behandlung dauert ca. 60 bis 90 Minuten. Weitere Behandlungen etwa 30 bis 45 Minuten. Die Anzahl und die Häufigkeit der Sitzungen werden entsprechend den Bedürfnissen und Reaktionen des Patienten angepasst. In der Regel ist eine Serie von mehreren Behandlungen im wöchentlichen Abstand zu empfehlen. Die Reaktionen des Körpers auf die Fußreflexzonentherapie brauchen Zeit. Oft tritt erst nach Tagen der gewünschte Effekt ein. Die Therapie beansprucht den Körper. Die Haut des Patienten kann kälter werden, vielleicht schläft er ein oder wird unruhig. Nach der Sitzung sollte immer Zeit für eine Nachruhe sein.

Welche Behandlungsreaktionen sind zu erwarten?

Nebenwirkungen sind bei der Fußreflexzonentherapie nicht bekannt. Zu Beginn der Behandlung tritt jedoch in manchen Fällen – wie auch bei anderen alternativen Verfahren - eine Verschlimmerung der Beschwerden auf. Diese Reaktion ist aber im Grunde positiv zu werten, denn sie gehört zum Heilungsprozess dazu und verschwindet meistens nach kurzer Zeit wieder.

Zu den häufigsten Reaktionen gehören:
  • Erstverschlimmerung der Beschwerden
  • Müdigkeit
  • Starke Schweißbildung
  • Schlafstörungen oder Nervosität
  • Reaktionen der Ausscheidungsorgane (Durchfall oder Harndrang)

Es ist wichtig, nach der Behandlung viel zu trinken!

Wann sollte eine Fußreflexzonentherapie nicht durchgeführt werden?

Eine Fußreflexzonentherapie ist nicht in jedem Fall die richtige Behandlung. Erfahrene Therapeuten wissen, was wann sinnvoll ist und ob eine Sitzung nur eingeschränkt oder gar nicht durchgeführt werden darf.

Vorsicht ist vor allem geboten bei:

  • akuten Entzündungen im Venen- und Lymphsystem
  • akuten Infektionen oder hohem Fieber
  • Erkrankungen, die sich durch eine Operation besser behandeln lassen (z. B. Gallensteine, chronisch entzündete Mandeln oder Blinddarmentzündung)
  • akuten und schmerzhaften rheumatischen Erkrankungen der Füße
  • schweren Durchblutungsstörungen der Füße mit offenen Wunden oder Absterben von Gewebe
  • starken Schmerzen an den Füßen infolge von Verletzungen
  • Risikoschwangerschaft und nicht in den ersten 3 Monaten und den letzten 6 Wochen der Schwangerschaft
  • bei akuten Verletzungen, wie z. B. Muskelfaserriss, Band- oder Sehnenruptur
  • bei Verbrennungen, offenen Wunden, Warzen, Ekzemen oder Furunkeln
  • bei Pilzerkrankungen am Fuß
  • bei ausgeprägten Krampfadern im Fuß- und Unterschenkelbereich
  • bei Psychosen, Depressionen oder Schizophrenie (Ausnahme: die Patienten werden ärztlich betreut)

Wirksamkeit der Fußreflexzonentherapie und Schulmedizin

Eine therapeutische Wirkung der Fußreflexzonentherapie ist bis heute wissenschaftlich nicht erwiesen bzw. umstritten. Dennoch gehen Fürsprecher davon aus, dass eine regelmäßige Behandlung der Reflexzonen entspannt, Stress abbaut, Durchblutungsstörungen behebt und auch in der Schmerztherapie von großem Nutzen sein kann. Unabhängig von einer tatsächlichen medizinischen Wirkung ist man sich jedoch sicher, dass allein die Entspannung das Wohlbefinden eines Menschen positiv beeinflusst.

Viele Schulmediziner sprechen der Therapieform daher ihre Wirksamkeit ab. Dennoch gab es in den vergangenen Jahren einige kleine Studien, die der Fußreflexzonentherapie positive Effekte auf bestimmte Krankheitsbilder bescheinigen. So zeigten Medizinerinnen der Uni Innsbruck 2013 durch eine Ultraschalluntersuchung, dass die gezielte Behandlung der Nierenreflexpunkte am Fuß die Durchblutung des Organs stimulieren kann. Forscher der Universität Jena fanden 2003 heraus, dass durch die Behandlung der Kniereflexzone die Schmerzen bei Kniegelenksarthrose verringert werden können. Eine Schweizer Studie untersuchte 2001 den Einfluss der Fußreflexzonenmassage auf den Darm. Auch hier konnten die Forscherinnen eine Zunahme der Durchblutung während der Dauer der Behandlung im Bereich der Organe beobachten.

Studien / Publikationen